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Nachtsgespräche in der Jesuitencomunität Railaco

 Wie schon erwähnt, das Abendessen ist das einzige Treffen am Tage, wo die Gruppe versucht, zusammen zu sein. Am Tag starten die Jeeps und jeder macht seine Aufgaben. Nach dem Essen ergeben sich manchmal spannende Rückblicke des Tages, manchmal wird es theologisch/spirituell, zB als ich die Antwort von Putin auf die Frage von Tucker Carlson, wie kann sich Putin für einen Christen halten, wenn er einen Krieg führt? Putin sagte in etwa, er gehe zwar nicht jeden Tag in die Cerkev (oder wir die orthodoxen Kirchen da heißen) aber was diese Frage angeht, so ist die Antwort simpel. Jeder hat das Recht und sogar die Pflicht, seine Familie und sein Land zu verteidigen. Er hat es geschworen und macht es. Einer der Jesuiten darauf: es ist nicht nötig, sich zu verteidigen, weil Gott eh für Alles sorgen wird. Das meint und lebt er 100%. Ich: aber selbst bedeutendste christliche Philosophen, wie Thomas von Aquin, habe das Recht auf Selbstverteidigung bejaht. Er, nein, es ist nicht nötig. Ich: wenn ich Frau und Kinder im Haus habe, muss ich die doch zumindest versuchen, zu verteidigen. Er: nein, nicht nötig, Gott wird für sie sorgen, auch wenn sie zuvor Qual erleiden.

Na ja, heute ging es aber um ganz konkrete Kooperation der Leute unter einander, besonders unterwegs. 2 Padres sind wie üblich zu Feiertagen mit Ihrem Jeep in die Berge und sind im Morast der "Waldstraße" hängen, geblieben, noch dazu an eine sehr üblen Stelle, wo es dann gleich in die Tiefe ginge. Also Jeep stehen gelassen, abgewartet, bis jemand auftaucht, und es ging einfach mit andern Mitteln zu den Messen. Danach kamen die Leute mit Lkw und zogen den Jeep raus. Niemand redet hier viel, jeder sieht was zu tun ist und einfach macht es ohne Worte. Padres fahren weiter zu anderen Stationen und auf dem Rückweg sehen sie an derselben Stelle den Lkw festsitzen, der sie vorher herauszog. Dann kommt nächster Lkw , versucht den ersten raus zu holen und bleibt vorerst selber stecken im Morast. Lkw1 probiert sich durchzukämpfen, der Reifen explodiert. Unser Jeep probiert auch zu helfen, irgendwann geht da was. Hört sich alles wie ein Krimi an, aber das war heute nebenbei passiert. Einer der Padres ist dann auch noch zu Fuß 3-4 Stunden nach Hause marschiert, weil er noch andern Job hatte. Na ja, das war spannend, aber das interessante kam noch später. Ich frage, warum werden solche Stellen nicht repariert/aufgebaut? Ich war dort vor Paar Wochen und wir kamen damals knapp durch. Gestern hat es aber Stundenlang sehr stark geregnet. Hat die Regierung oder Verwaltung keine Kohle dafür? Oder woran liegt es. Die Antwort: es ist sehr sehr kompliziert hier, weil einerseits gibt es starkes Christentum, aber anderseits auch viel um alten Glauben an Geister die an solchen Stellen hausen usw. Es gibt sozusagen Personen Hexen usw, die mit diesen Geistern in Verbindung stehen, und ohne ihren Placet geht da schon mal gar nichts. Dann gibt es noch knallharte Wirtschaftsinteressen der Landbesitzer um die Straße herum. Sie wissen, die richtige Straße braucht mehr Platz und pokern einfach mit der Verwaltung um den Preis.. 

Diese Dialogbereitschaft auch mit den Hexendoktors und Zauberern (ok weiss nicht, wie man die bezeichnen soll) , wird den Jesuiten kirchenintern von manchen (ev. auch Ordensgemeinschaften?)  sehr angekreidet, dass sie sozusagen Betrüger oder Scharlatane sind, die nicht der reinen Kirchenlehre folgen usw. Ich kenne nicht die genauen Vorwürfe, aber man hört manchmal zwischen den Zeilen, dass es ihnen nahe geht. Sie werden überhaupt zu solchen Problemlösungssitzungen nur eingeladen, weil sie als Priester hier von allen auch als spirituelle Kräfte angesehen werden, die zu den alten Geisterdingen irgendwie gleichberechtigt sind.

Na ja, summa sumarum es fällt schon sehr auf, wie kooperativ und hilfsbereit die einfachen Leute sind. Manche fahren wie die Henker, aber wenn es eine schwierige Stelle gibt, eine Straßenabsenkung usw kannst Du dem auf seine Seite rein fahren ohne abzuwarten, er versteht und macht was nötig ist.

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