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Bruder Michael ist wieder da

Bruder Michael, Tischler aus Sydney, der größere Jahreshälfte hier unentgeltlich arbeitet

Heute habe ich recht wenig getan (nur die Schulungsunterlagen für DB Dump Export und Import und die Schulung mit Anna dann in Cartorio (Pfarrbüro)) und habe ansonsten meine Spaziergänge nachgeholt (in Kasait ging es gestern nicht und mein Fuß meldet sich dann beleidigt).

Als ich gerade zu meinem größeren Rundtrip auf den Weg kam, ist gerade der hier bereits legendärer Bruder Michael angefahren. Er hat hier seit 2 Jahren seinen eigenen, fast neuen, großen Toyota-Pickup-Track, den er mit Dach und Bänken so ausgebaut hatte, dass auf der Ladefläche auch so 15-20 Leute mitfahren können. TÜV-Gutachten braucht man hier für sowas nicht aber es sieht sehr solide aus, dass es wohl kein Problem wäre. Das Auto wurde diese Woche ausgiebig vom Thomas genutzt, um Louis den Chef der Volontärs aus Paris zum Bischof und anderen wichtigen Treffen zu fahren. Thomas hat mich damit aus Kasait zurück gebracht und ist heute damit zum Flughafen gefahren, um es dem Br, Michael zurück zu geben. So war ich heute der erste der ihn hier begrüßt hatte. 

Heute eine kleinere Runde beim Abendessen Eleonore ist auf der Abschiedsparty in Kasait

Der Man ist seit einer Woche 79 Jahre alt. Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung, ruht ganz in sich selbst, wirkt auf mich wie ein voll berufstätiger Handwerker so um 65 der ruhig seine Aufträge erledigt. Er ist ein anscheinen recht erfolgreicher Tischler aus der Gegend um Sydney. Sein Vater und 3 Brüder sind/waren ebenfalls Tischler. Seit 2017 kommt er jedes Jahr 3 Mal für 2 bis 2,5 Monate nach Timor um hier in Railaco unentgeltlich zu arbeiten. Nicht nur bei den Jesuiten, sondern auch im SPC-Kloster. Er hat hier eine große, gut ausgerüstete Werkstatt für Holz- und Metallarbeiten. Er hat hier Dächer repariert und umgebaut an allen möglichen Gebäude, macht Möbel. Ich denke, er schreckt vor gar keiner Arbeit zurück und scheint sehr große Erfahrung auf allen möglichen Arbeitsgebieten zu haben. 

Ich fragte, ob er schon Pläne oder Aufträge für die nächsten Monate hat. Er sagte so nebenbei, er will zuerst so um 100, 150 Arbeitstische für die NOSSEF Highschol machen, weil man dort noch meistens nur die Stühle mit so einem Klapptischen verwenden, die nicht so richtig zum Arbeiten, Notizen machen, geeignet sind. Er hat schon solche Tische gemacht. Die Tische werden quadratisch mit geschweißtem Gestell aus Profilen und einem Blatt aus einer Holzverbundmaterial-Platte. Ich habe sein MIG- Schweißgerät gesehen. Sieht ordentlich aus.

Als wir so vor seiner Werkstatt standen und quatschten, kamen die Jungs aus dem Wohnheim gerade vom Rosenkranz-Gebet. Man merkte schon sehr, wie die den Man bewunderten, er kannte sie auch fast alle beim Namen, sie versuchten seine Hand zu küssen, wie es hier weit und breit der Brauch ist, jemand seine Westschätzung auszudrücken, aber er hat die meisten einfach umarmt. Sie fragten alle, wann er sie besuchen kommt und was er machen wird. Offensichtlich haben sie schon zusammengearbeitet, aber Br. Michael sagte, sie haben schon in der Schule viel zu tun.

Ich habe inzwischen viele Geschichten über Michaels Arbeiten in der Vergangenheit gehört. Er hat auch einige Rückschläge/Unannehmlichkeiten erleben müssen, zb Dengue-Fieber, eine wenig nette Krankheit, die hier häufiger auftritt, Geld-Diebstähle (im Tausender-Bereich), Betrüger oder schlechte Geschäftspartner für Laptops, die er zum Selbstkostenpreis aus Australien mitbringt (zuletzt wurden 60 Stück nicht geliefert). Das größte Problem jedoch ist in seinen Augen die im Allgemeinen ziemlich schlechte Qualität vieler Materialien, insbesondere das sehr schlechte chinesische Blech für die Dächer, das nach nur 2 Jahren schon gewaltige Roststellen aufweist. Es gibt aber oft überhaupt keine Alternative, und der Eigenimport aus Australien wird auch von beiden Seiten erschwert. Er wollte zB wirksamen Rostschutz liefern lassen, aber der gilt als Gefahrengut bestimmter Klasse, den die wenigen Schiffe nicht transportieren wollen. Trotz all dem arbeitet Br. Michael hier als wenn nichts wäre immer weiter.

Nachtrad 2-3 Tage später: Br. Michael hat die Profile für seine Tische in Dili gekauft und auf dem Dach seines Trucks mitgebracht. Anschließend hat sich seinen Arbeitsplatz zusammengebaut und nun hat er die Serienproduktion der ersten Partie - 50 Tische - gestartet.

Nachdem der Arbeitsplatz mit Führungsschienen usw aufgebaut ist, geht es ans Zersägen der Profile

Man sieht wie gut der Mann alles vorbereitet. Von ihm kann man eine Menge lernen

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