Direkt zum Hauptbereich

Tagesausflug zu den Schwestern der Sagrada Familia de Nazare in Gleno

Links Sr. Monika aus Deutschland
Ramon, der hinter all der Technik in Gleno steht

Die Schwestern scheinen in Vollem Namen: "Missionarias Filhas da Sagrada Familia de NAZARE" zu heißen. Ich Mutterhaus ist in Spanien, vermutlich in Barcelona. Dort betreiben sie anscheinen schon länger Schulen, die etwas ungewöhnliche Unterrichtsformen pflegen, etwa in kleinen Gruppen, die keine klassischen Klassenräume kennen, sondern je nach Bedarf Gruppen bilden. So ähnlich betreiben die Schwestern auch ihre 2 Schulen: eine Grundschule und ein College für Lehrerausbildung. Darüber hinaus sind sie im großen Stil in die "Jesuit Wordwide Learning" (jwl.org) involviert. Dazu betreiben sie eine Serverfarm mit 4 virtuellen Rechner mit insgesamt über 100 CPUs und über 200 GB RAM. 

Der 'Supercomputer in Gleno auf dem Dachboden (wg. Lüftung & Krach)


Darauf läuft u.a Moodle, womit die Kursteilnehmer ihre Schulungen samt dem eigenen Fortschritt im Kurs sehen können. Das Ganze ist das modernste, was ich bisher gesehen habe. Die technische Seite der Systeme wurde von Ramon vor Paar Jahren bereitgestellt. Er erzählte mir gestern, er habe einen 3-4 Jahre alten aber bereits ausrangierten Server, der neu etwa 100k Eur kostet, am 2-t Markt für 3-4k Eur gekauft und als Übergepäck hierher transportiert hatte. Seitdem läuft die Kiste auf dem Dachboden. Damit das auch ohne seine ständige Interaktionen bei Stromausfall usw möglich ist, hatte er Prozesse definiert, die alle möglichen Parameter sämtlicher Komponenten überwacht und ggf. entsprechend steuern. Die Schulen haben nicht nur einen eigenen Trafo vom Stromanbieter, sondern einen ziemlich großen Dieselgenerator, der ca 10 sec nach Stromausfall automatisch anspringt (wie ich gestern selbst erlebt habe). Alle Komponenten sind mit entsprechen dimensionierten USVs abgesichert, sodass sie ca. 30Min bis 1 Std ohne externe Stromversorgung auskommen. 

Zum Computer gehört Switch und andere Hardware dazu

Neues Schulgebäude

Auf ihrem großen Grundstück entstehen zZ einige große, mehrstöckigen Gebäude, die von einem Spanischen Stararchitekt entworfen wurden, die innen ebenfalls kaum gerade sondern eher geschwungene Wände haben, alles scheint irgendeinem außergewöhnlichen Stil zu folgen. Es ist eine Riesenbaustelle. Mit scheint, dass hier Millionen noch fließen müssen, bis die Gebäude wirklich fertig sein werden. Ich habe aber gesehen, dass eines ganz hinten fast fertig ist, und die anderen sollten angeblich noch in diesem Jahr zumindest als Rohbau fertig werden.

Ramon hat neben dem ganzen Computerkram auch andere Pläne, um die Stromversorgung besser zu überwachen. Dazu hatte er einige elektronische Komponente für Hochspannung besorgt, die heute eingebaut werden sollten. Das Problem hier ist nämlich nicht nur, dass es häuft Stromausfälle gibt, sondern, dass manchmal eine Phase fehlt, oder die Spannung außerhalb des Erlaubten liegt, oder sogar die Netzfrequenz zu sehr abweicht.

Darüber hinaus macht Ramon noch groß in "Glasfaser-Advocacy". Er meint, es werden hier mehr und mehr Glasfaser auf Steuerkosten verlegt, aber die Steuerzahler haben darauf keinen Zugriff. Das hatte er schon in Spanien durchgefochten in letzten Jahrzehnten, weil er ein Haus im spanischen Nirgendwo hat, hatte er mit Nachbarn Initiativen gegründet und bei den Verwaltungen durchgefochten, dass sie Zugriff auf öffentliche Glasfasernetzwerke bekommen. Hier in Timor gibt es sozusagen eine "SIM-Karten-Mafia", 3 große Firmen aus dem Ausland, die 25 bis 50 USD pro Monat von den Kunden verlangen aber eigentlich kaum etwas dafür liefern, zB ich bekomme so 0,1 Mbit/sec mit meinem "Unlimited Vertrag", was das Internet extrem teuer macht. Ramon möchte Glasfaser nutzen, die im Gewässer des Landes verlegt sind aber vom Land nicht genutzt werden dürfen. Vorläufig hat er einen alten Sateliten-Anschluß, der aber große Latency ausweist. Er hat sich bereits in Australien einen Starlink Terminal gekauft, der nicht Ortsgebunden ist, sondern sozusagen auf dem Boot betrieben werden kann. Denn will er am Freitag in Darwin abholen, und dann mit dem Signal von Starlink Australia die Glasfaser von Gleno füttern. Er war schon beim Bürgermeister und sagte ihm, er bittet nicht um Genehmigung, weil der Kabel öffentlich finanziert wurde, sondern will ihn lediglich über die Nutzung des Glasfaser-Kabels informieren.

Es sieht so aus, dass Starlink gerne Timor abdecken würde, bekommt aber von der Regierung, die die SIM-Mafia deckt, keine Genehmigung. Ich denke, wenn Starlink käme, würde der Preis für Internet hier im Lande extrem fallen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Auf Nach Timor-Leste, die Vorgeschichte meiner dritten Runde als Jesuit Volunteer

Wie komme ich, ein Software Entwickler aus München dazu, als Volontär nach Timor Leste zu gehen? Na ja, dazu gibt es wie so oft eine längere Vorgeschichte.. Falls man es wirklich wissen möchte, hier ist sie. Auf meinem ersten Weg nach Santiago de Compostella 2005 - ich war in einer Gruppe, die dort unterwegs "Meditationen im Gehen" üben wollte - hatte einer der Mitpilger, Philipp, der gerade erst mit dem Studium fertig wurde, von seinem großen Wunsch erzählt, für eine begrenzte Zeit in einem Projekt im Ausland unentgeltliche Hilfe zu leisten. Ich habe damals schon recht lange bei der Bahnhofsmission in München mitgemacht, wo ich so ein bis zwei Mal im Monat - meistens war es eine Samstagnacht (von 19 Uhr bis Sonntag 7 Uhr) - Leuten in sozialen Notlagen geholfen habe und dachte, damit wäre meine "soziale Ader", die ich schon als Student der Informatik eher als Gegengewicht zum Umgang mit der Logik, Computer, Programmen usw. gebraucht hatte, aber das Gespräch ist mi...

Nachtsgespräche in der Jesuitencomunität Railaco

 Wie schon erwähnt, das Abendessen ist das einzige Treffen am Tage, wo die Gruppe versucht, zusammen zu sein. Am Tag starten die Jeeps und jeder macht seine Aufgaben. Nach dem Essen ergeben sich manchmal spannende Rückblicke des Tages, manchmal wird es theologisch/spirituell, zB als ich die Antwort von Putin auf die Frage von Tucker Carlson, wie kann sich Putin für einen Christen halten, wenn er einen Krieg führt? Putin sagte in etwa, er gehe zwar nicht jeden Tag in die Cerkev (oder wir die orthodoxen Kirchen da heißen) aber was diese Frage angeht, so ist die Antwort simpel. Jeder hat das Recht und sogar die Pflicht, seine Familie und sein Land zu verteidigen. Er hat es geschworen und macht es. Einer der Jesuiten darauf: es ist nicht nötig, sich zu verteidigen, weil Gott eh für Alles sorgen wird. Das meint und lebt er 100%. Ich: aber selbst bedeutendste christliche Philosophen, wie Thomas von Aquin, habe das Recht auf Selbstverteidigung bejaht. Er, nein, es ist nicht nötig. Ich: we...

Mein erster Besuch in Kasait

Meine Arbeiten in Railaco sind im Wesentlichem getan. Heute habe ich noch eine kleine Schulung im Datenbank Backup & Recovery (also DB Export & Import) im Pfarrbüro gemacht. Anna hat fleißig geübt. Das Tool dazu war die MySQL Workbench, die ich mit dem MySQL Server (als Windowsservice) mit installiert habe. Diese Schulung werde ich auch in der Klinik wiederholen. Ich habe dort schon mit Nelia geübt, aber noch einmal schadet nicht. Ich habe datzu auch eine Doku mit Screenshots gemacht. Gestern bekam ich endlich die Gelegenheit, den ganzen Tag mit Thomas (Ingenieur aus Frankreich, der das letzte Jahr als Mathe-Lehrer am Lehrer-College "Instituto Sao Joao de Brito" ISJB arbeitete) in Kasait zu verbringen. Das war die letzte Gelegenheit, Thomas überhaupt zu treffen, weil er am Sonntag nach Vietnam fliegt, um in Anschluss an sein Volontär-Jahr mit seiner Freundin eine Radeltour durch Vietnam, Kambodscha und Thailand zu beginnen. Mein offizieller Einsatzbeginn dort ist ab 2...