Zum Verhalten der Landesleute hier habe ich schon Paar Zeilen geschrieben, aber es gibt so weil mehr Faszinierendes, weil von meinen Erwartungen erheblich Abweichendes oder sogar mit meiner Idee einer erwachsenen Person unvereinbaren Aktionen. Na ja, da hatte ich mal wieder Glück, und vor einer Woche und gestern, taucht plötzlich aus dem nichts Rosie, eine nett junge Dame aus Bayern in meinem Zimmer auf, die hier schon erheblich länger Weilt - ich glaube 6 Monate und als Lehrerin arbeitet (sie hat sich für 2 Jahre verpflichtet) und wir kommen recht schnell ins Plaudern, sie ist eine exzellente Gesprächspartnerin, mit der man sich mit guten Argumenten über Gott und die Welt ganz locker unterhalten kann. Ich kann nicht sagen, dass ich bisher im Leben soo viele Leute von der Art traf, na ja zuletzt in Railaco hatte ich es so ähnlich mit Thomas aus Frankreich empfunden, aber wenn ich dann länger zurückblicke, dass tat sich die letzten Jahre nicht viel in die Richtung von solchen neuen Gesprächskalibern. Ende des Vorspanns.
Fangen wir klein an. Da ist die Sache mit dem Geld. Wenn die was haben, geben sie es gleich aus, auch wenn es morgen wieder sehr eng wird, kann es heute Party geben. Das mit dem Raushauen würde ich bei Jugendlichen noch verstehen, aber hier geht es um echte Erwachsene, ganze Familien usw. Absolut unverantwortlich aber üblich hier. Das geht sogar so beim Hausbauen. Es könnte sein, dass jemand eine größere Summe bekommt und beschließ spontan, den ewig gehegten Wunsch nach eigener Behausung in einer Blitzaktion umzusetzen. 0 Planung, 0 kosten Abklärung, gar nichts, einfach loslegen. Ich sagte, die werden doch zuvor Paar Leute zumindest um sie herum befragt haben, die schon so ein ähnliches Haus ihr eigenen nennen, was das in etwa gekostet hatte, oder? Rosi: nein, man macht es einfach ohne die leiseste Idee, ob das, was man hat nur für die dünnen Fundamente, oder auch für die hier üblichen selbst gegossenen Betonblöcke (als Ziegel), oder sogar auch fürs Dach schon reichen könnte oder sogar auch für Fenster und Türen? Solche Fragen werden nicht gestellt. Wenn das Geld alle ist, steht die Baustelle ev. Jahre so, da haust man dann halt herum. Das verstehe ich nicht. Rosie meinte, die leben in "hier und jetzt", niemand über 20 (also geboren vor der Unabhängigkeit) hat früher je ein Hauch von Sicherheit erlebt, so nach dem Motto, "ja heute lebe ich, morgen vielleicht nicht mehr". Also handle ich heute. Kann ich noch mitgehen, aber ohne Verstand zu gebrauchen? Wozu habe ich es denn? Gerade wenn ich wenig habe, dann ist er doch mein bester Freund und Helfer doch. Aber hier wird einfach verzichtet auf diese Hilfe.
Ich frage mich so langsam, ob ich das Verwenden von Verstand ev. allgemein überschätzt habe, vielleicht machen auch bei uns nicht so viele freiwillig davon gebrauch, aber die Nachbarn, Freude, Verwandte und Bekannte werden schon 1000 Fragen stellen, die man dann doch irgendwie logisch-konsistent beantworten muss um nicht als Volldepp da zu stehen, und da holt man doch den Verstand hervor, holt Berater Firmen, Vergleiche usw. Ist es ev. die Gesellschaft, die diese Rationalität bei uns praktisch erzwingt und hier nicht? Dazu komme auch noch der Fundamentalunterschied: wir sind Angsthasen und Schisser und haben vor allem spontenen Angst, ins Feruer zu springen ist nicht unser Ding. Alles raushauen schafft ein Spieler aber kaum ein normaler macht so was, auch wenn er 100% weiß, dass es sicher und gut ist ohne irgendeine Rückversicherung.
Für mich ist mein Verstand egal ob groß oder klein mein größter Freund, der immer bei mir ist, ich denke da an die Bibel mit den Geschichten über die Weisheit, die schon am Morgen auf die wartet, die sie suchen, würde nicht verstehen, wie nan so was nicht hegt und pflegt und nutzt so gut man kann. Das man schon ein Päckchen bekommen hat, was sehr wertvoll ist. Mag sein, dass dort einiges auch noch nicht stimmt, ja sogar vieles Falsche vielleicht mit aufgenommen wurde, durch Erziehung, falsche Vorstellungen, schlechte Erfahrungen. Ich idealisiere meinen Verstand nicht, versuche es ständig mit der Realität abzugleichen und zu aktualisieren. Wie kann man es nicht tun? Egal was die Freunde usw sagen oder nicht?
Anderes Thema. Es gibt doch einen sichtbaren Anteil an Straßenschlägereien unterschiedlicher Dimension. Es sollen Gängs gegeneinander kämpfen. Sie schießen nicht, sondern werfen Steine und gehen in den Nahkampf. Es soll dabei auch recht viel in sog. "marshal arts" sehr brutal zugehen, wenn ich richtig verstanden habe vorwiegend mit der Technik mit dem kleinen Stock. Ich habe Paar Videos gesehen aber nicht von den echten Straßenschlachten hier in Dili. Es sah so aus: der mit dem Stock wurde von einem Jüngeren angesprungen, 2, 3 Wendungen und der Stock bewegte sich blitzschnell, der Angreifer hatte einen gebrochenen Arm, bevor er selber es gemerkt hatte. Rosie hat so was Paar Mal gesehen, war aber nicht mitten auf der Straße dabei, sondern im Gebäude. Sie sagte, es sah sehr brutal, selbst wenn der Stock nicht dabei war, sie erzählten, dass selbst als einer schon auf dem Boden lag, wurde er noch mit extremen Tritten bearbeitet.
Diese Brutalität aber auch die ganzen Kämpfe generell werden von der katholischen Kirche als mit ihren Regeln nicht vereinbar gesehen, sodass die Jugendlichen, die ja weit über 90% Katholisch sein sollten, nicht mehr mit dieser Einstellung dazugehören können, was sie dadurch auch außerhalb des Einflussbereich der Kirche führt, was aber auch nicht als sehe hilfreich gesehen ist. Ich habe, es gäbe Initiativen, wie man auf sie doch eingehen könnte.
Ein seh wichtiges Thema ist konformistiches Verhalten. Man macht es genauso wie alle. Man schaut nicht, ist es noch nötig? Ist es noch richtig? Geht es vielleicht besser? Diese fragen werden scheinbar absolut ohne Druck nie gestellt. Es gibt keinen gesellschaftlichen Druck sich so zu verhalten, man will sich so verhalten. So erklären sich auch meine Erfahrungen mit dem Angekettet sein zu dem Infusionsständer. Ich habe Sr. Rita, die m.E. professionellste Assistentin wieder Paar mal gesprochen und habe sie darauf immer wieder angesprochen. Ich sagte, es ist unmenschlich, grausam, eine Folter, jemand ohne not irgendwie anzuketten. Die Entkopplung nach Infusion mit dem Medic in den Zugang ist in jeder Hinsicht besser und auch sicherer, weil man mit dem Infusionsständer im Schlepptau auch leicht stolpern könnte, sich die Nadel rausreißt, Haxen bricht oder Schlimmeres wenn man noch dazu Pech genug hat. Sr. Rita hat die Ankettung nie mit Argumenten verteidigt. Sie sagte bloß, so machen wir es hier. Anweisung. Alles ruhig gesagt. Man kommt nicht auf Ideen Änderungen vorzuschlagen. Rosi meinte, die Zusammengehörigkeit ist wohl sehr wichtig wenn man ohne Sicherheit aufgewachsen ist. Sie sagte, pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt zu kommen ist selten, weil neben den Straßenproblemen kann es vorkommen, dass man unterwegs jemand sieht, denn man kennt. Da hält man an. Man unterhalte sich ausgiebig usw, und dann kann man später noch jemanden treffen, den man kennt.. Na ja, an sich ein sehr schöner Zug, dass man nicht so aneinander vorbei lebt. Rosi meinte Jobs und Aufträge gehen and Bekannte usw, das wäre Vetternwirtschaft und Korruption. Ich meine als Privater kann ich nehmen wenn ich will. Ich würde für Elektrik, Alarmsysteme usw auch sofort meinen Bruder anheuern wenn es möglich wäre, ist ja klar, ich weiß wie gut der ist. Das ist keine Vetternwirtschaft sondern man nehmt den besten den man kriegen kann. Leute die ihr eigenes Geld ausgeben brachen keine Ausschreibung. Nur wenn es andere Leute Geld ist und die es Ausschreiben wollen.
Das mit den Krokodilen haben wir auch besprochen, ob es als Überbleibsel aus der Vergangenheit so langsam mit den jüngeren Generationen der Glaube an die Ahnen darin so langsam schwinden wird? Rosi meinte, es sind keine Anzeichen in die Richtung zu sehen. Man bleibt dabei, die Guten werden nicht gefressen, nur die Bösen. Ich fragte, wie viele die Sache schon mal selber getestet haben, wenn sie das glauben. Aber es wird nicht getestet, nur weiter geglaubt. Wenn dann doch eine der eindeutig guten verspeist wurde, müssen die Leute den Krokodil doch töten, bitten aber vorher die Verwanden Ahnen, sie mögen an einen anderen Träger umzusteigen.
Das Thema Heiraten, Kinder. Rosi meinte, der Bräutigam muss die Eltern der Braut für Ihren verlußt bei der Familie entschädigen, allerding gäbe es keine Abstufung nach Schönheit, Fleiß, Ausbildung, Alter usw. Es gibt einen Pauschalpreis von etwa 10.000 USD. Es ist recht grausam, weil dadurch bestimmte Frauen niemals legal heiraten können. Das Nettoeinkommen geht ev so ab >100 USD bis einige Hundert wobei hier schon die Leitungspositionen gemeint sind. Wenn ich annehme, dass 500 USD super gehalt wäre, dann muss ich aber erst die Lebenskosten abziehen und super optimistisch gerechnet könnte ich im Jahr so 2000 USD sparn realistisch wäre eher 1000 USD - wir reden hier trotzdem von Spitzenverdiener. Der könnte die Kosten für die Angebetete unterhalb von 10 Jahren sparen also wenn er mit 30 schon so viel verdient sie mit 40 heiraten. Natürlich würde so einer auch Kredit bekommen also ist es für ihn kein Drama. Er muss natürlich auch noch was für die Hochzeit übrig haben, soll hier sauteuer sein. Aber was macht ein Normalverdiener mir 180 USD netto im Monat? Der kann im Jahr vielleicht 500 USD sparen. Die Frau allein kostet also 20 Jahre sparen. Die einzigen 2 Möglichkeiten sind also ewige Schulden (die sind auch nicht verfallbar mit dem Tod, die Kinder übernehmen) oder man lebt ohne Treuerschein zusammen. Für Frauen, die nicht so in den ersten Reihen zu finden sind, ist es sowieso wohl die einzige Option, wo sollen sie jemand finden, wer für die 10k USD übrig hat?
Diebstahl. Ja, es ist mir sehr peinlich zugeben zu müssen, dass ich nach 3 Wochen Aufenthalt schon 2 für mich wertvolle Gegenstände eingebüßt habe. Erst mein Mobiltelefon, wobei ich nicht unbedingt 100% vom Diebstahl ausgehe, denn ich musste damals immer wieder recht schnell aufs Klo und dabei wohl nicht so sehr auf sonstiges geachtet, ev. ist es herausgefallen und an eine dummen Stelle versenkt oder auf dem Weg liegen geblieben - Schwamm drüber. Aber in der Woche in meiner VIP Suite JP1 habe ich auch geschafft, das meine Profi Petzel Retikka (oder wie die hieß ) Stirnlampe verschwunden ist. Diese Fall ist für mich deutlich Eindeutig. Rosi meinte, ihre Arbeitskollegen warnen sie oft, wenn sie das Telefon zu leicht zugänglich in die Tasche steckt, oder wenn sie nur kurz essen gehen, sie soll die Sachen immer mitnehmen usw. Es scheint ein echtes Problem zu sein, wenn schon Einheimischen so darauf achten. Ich nehme meine Verluste als Lehrgeld für meine Reiseunerfahrenheit und weil ich das Land zugegebenermaßen ev wegen dem hohen Christenanteil etwas zu sehr romantisiert habe. In meine 6 monstigen Aufenthalt in Srirampur in Indien hat mir niemand eine Bleistift geklaut. Ev werde ich langsam senil.
Kleinigkeiten zum Abschluss: heute hatte ich ersten Besuch von einem anderen Arzt, Dr. Hose (glaube ich) der wohl im Misterium für Gesundheit arbeitet und hier Einige Tage sein Beratung und /oder Behandlunszimmer mietet. Sehr netter Zeitgenosse, haben uns wunderbar über dies und das unterhalten, als er dann ging und die Tür zum gehen aufmachte, spazierte eine große Spinne als Ersatzgast ein. Ich, nicht das auch noch. Sie versteckte sich erst irgendwo unter dem Schreibtisch, aber nach einer Weile spazierte sie seelenruhig unter mein Bett. Ich suchte sie schüttelte am Bett bekam aber keine Reaktion. Beim Abendbehandlung kam der gute Doc zum Glück wieder und ich erzählte davon und fragte, ob die giftig sein könnte, er meinte eher ja und informierte Sicherheitsdienst, damit sie jemand schickten. Der kam probierte alles aber es war keine Spinne zu sehen. Ev. ist sie doch weiter gezogen, als ich nicht geschaut habe. Mal sehen.
Nach Mitternacht schreibe ich noch die letzte Emai an Rosi (dass der Artikel online ist) und sehe das Vieh so wieder seelenruhig vom Schreibisch zu meinem Bett zu spazieren. Das war ein Fehler zu viel und so erschlug ich den ungebetenen Gast
| Ungebetener Gast, Kammerjäger fand ihn nicht, ich aber schon |
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